Globale Entwicklungen, Regionale Herausforderungen

Drohnen – Helfer und Henker

Von: Helmut Michelis, Rheinische Post

Unbemannte Flugzeuge warnen in Afghanistan Soldaten vor Hinterhalten, suchen in Deutschland Vermisste oder geben weltweit bei Katastrophen einen Überblick über die Schadenslage. Sie bringen aber auch den Tod: Die USA setzen im Jemen, in Somalia und im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet verstärkt Drohnen zur Jagd auf Terroristen ein.

Der Papst, vorm eiskalten Regen durch einen großen gelben Schirm geschützt, spricht im vollbesetzten Sportstadion das erste Gebet. Draußen hält ein schwarzer Pkw, hastig steigen drei Männer mit großen Taschen aus und klettern über eine Absperrung. Droht ein Attentat? Eine „Predator“-Drohne, die von unten unsichtbar und unhörbar in den tief hängenden grauen Wolken kreist, dirigiert binnen Sekunden Soldaten zu dem verdächtigen Trio – die Entwarnung folgt prompt: Es sind harmlose Kirchenmusiker, die sich im Stau verspätet hatten. Papst Johannes Paul II. und Zehntausende Gläubige im Olympiastadion der bosnischen Hauptstadt Sarajevo haben an jenem 12. April 1997 von diesem Zwischenfall nichts mitbekommen. Der unbemannte fliegende Beobachter und seine Fähigkeiten waren damals noch streng geheim.

15 Jahre danach ist aus dem Schutzengel ein Racheengel geworden – breite politische Empörung inklusive: Ende Januar hat der amerikanische Präsident Barack Obama erstmals offiziell eingeräumt, dass die US-Luftwaffe mit der „Predator“-Kampfversion „Reaper“ Angriffe auf die radikal-islamischen Taliban im pakistanischem Luftraum durchführt.

Die amerikanische Kampfdrohne vom Typ MQ-9 „Reaper“ (Foto: US-Verteidigungsministerium)

Angeblich ist der Erfolg groß: In engen Abständen berichtet das Pentagon über die Ausschaltung hochrangiger Terroristen-Führer, die vom gebirgigen Grenzgebiet Wasiristan aus Anschläge in Afghanistan geplant hätten. Mehr als 2.000 Terrorkämpfer sollen inzwischen auf diesem Weg „ausgeschaltet“ worden sein, heißt es aus anderen Quellen. Die „Unmanned Aerial Vehicles“ minimieren das Risiko für die eigenen Streitkräfte; kein Pilot muss beim Feindflug über fremdem Gebiet mehr sein Leben riskieren.

500 Unbeteiligte durch Drohnen getötet
Zugleich wächst aber durch die fehlende direkte Aufklärung vor Ort die Gefahr für die Zivilisten im Zielgebiet: Nach Schätzung unabhängiger Experten starben bei den US-Luftangriffen im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet bislang mehr als 500 Unbeteiligte – Frauen, Kinder und Teilnehmer an Hochzeitsgesellschaften.

Die Pakistani sind über diese ungewollten Drohnen-Opfer erzürnt. „Der Einsatz ist illegal“, stellte Außenministerin Hina Rabbani Khar fest und sieht sich damit im Einklang mit der internationalen Rechtslage. Zudem sei diese Art von Kriegsführung kontraproduktiv, weil sie den Islamisten neuen Zulauf durch Empörte beschere: „Selbst wenn bei einem Angriff das Ziel Nummer Eins ausgeschaltet wird, gibt es anschließend fünf oder zehn neue Ziele.“

Auch bei der Vorstellung des „Friedensgutachtens 2012“ in Berlin durch vier große deutsche Friedensforschungsinstitute wurde der Drohneneinsatz kritisch bewertet: „Diese Hightech-Waffen separieren den Krieg von der eigenen Gesellschaft, machen ihn unsichtbar und billiger“, sagte Sprecher Bruno Schorch. „Krieg wird zu einer gleichsam geräuschlosen und von Eigenverlusten freien, extra-legalen Tötung von Verdächtigen und unterläuft jede völkerrechtliche Definition.“ Die Bundesregierung solle sich deshalb „für die Aufnahme bewaffneter Drohnen als eigenständige Kategorie in das UN-Waffenregister engagieren und auf Rüstungskontrolle mit dem Ziel drängen, diese Waffen zu ächten.“

Drohnen gehört die Zukunft
Dieser Ruf wird ungehört verhallen, denn den Drohnen gehört die Zukunft: Kleinflugzeuge wie die „Predator“ oder die „Reaper“ können rund 30 Stunden lang über gefährdeten Gebieten in Afghanistan kreisen; gesteuert werden sie via Satellit von Bildschirmarbeitsplätzen aus, die in einer US-Luftwaffenbasis in der Wüste von Nevada eingerichtet worden sind. So können sich die „Piloten“ beliebig ablösen. Drohnen, die reguläre Kampfjets ersetzen sollen, können im Luftkampf deutlich extremere Manöver fliegen, weil kein Mensch mehr den enormen Beschleunigungskräften ausgesetzt werden muss. Auch internationale Zwischenfälle wie jener des US-Piloten Francis Gary Powers, der am 1. Mai 1960 während eines Spionagefluges über der Sowjetunion abgeschossen worden war und in Gefangenschaft geriet, können ohne Menschen nicht mehr so propagandistisch wirksam wie damals ausgeschlachtet werden.

Eine Milliarde Entwicklungskosten
So war im Dezember 2011 der Protest vergleichsweise gering, als eine US-Aufklärungsdrohne RQ-170 in die Hände der Iraner geriet. Barack Obama forderte von Teheran die „Biest von Kandahar“ genannte Maschine sogar offiziell zurück. Damit hatte Washington indirekt bestätigt, dass die Iraner zuvor nicht nur ein Pappmaschee-Modell präsentiert, sondern den streng geheimen unbemannten Jet, dessen Entwicklung eine Milliarde Dollar verschlungen haben soll und der angeblich unter anderem das Versteck des Terroristenführers Osama bin Laden in Pakistan ausgespäht hat, tatsächlich in ihren Besitz gebracht hatten.

Bis 2047 wollen die Amerikaner ihre Drohnenflotte massiv ausbauen, allen Einsparungen im Verteidigungsetat zum Trotz. Die US-Airforce bildet schon heute mehr Soldaten in der Bedienung von Drohnen als zu Piloten aus. Mit Atombomben bestückte unbemannte Flugzeuge, so eine der Visionen, sollen monatelang im Luftraum kreisen und die nukleare Abschreckung sicherstellen.

Auch der russische Präsident Wladimir Putin hat den Bau von Drohnen angekündigt. Bis 2020 sollten umgerechnet rund zehn Milliarden Euro in das Programm fließen, sagte Putin bei einem Besuch des Luftwaffenstützpunktes Korenowsk am Schwarzen Meer. „Das ist nach Ansicht unserer Experten die wichtigste Richtung, in die wir unsere Luftwaffe entwickeln sollten."

Ebenso wie Russland setzt die Bundeswehr verstärkt auf die unbemannte Luftfahrt. Am Dienstag dieser Woche hat Verteidigungsminister Thomas de Maizière den zeitlichen Ablauf der Neuorganisation der Streitkräfte bekanntgegeben. In den Unterlagen wird aufgeführt, dass das Aufklärungsgeschwader 51 „Immelmann“ in Schleswig-Holstein ab April 2013 zum Drohnenverband umgegliedert wird. Es erhält zunächst drei „Heron 1“ und ab 2014 bis zu 16 ähnliche Systeme und weitere neun „Eurohawk“ und „Global Hawk“ als Langstrecken-Aufklärungssysteme für großen Höhen.

Stolz hat die deutsche Luftwaffe kürzlich den ersten „Eurohawk“ im bayerischen Manching präsentiert: Die dunkelgraue Drohne ist nach Bundeswehr-Angaben ein riesiger Datenstaubsauger, sie hört Funksprüche und Handygespräche mit, liest SMS, zeichnet bei Bedarf Rundfunk- und Fernsehsendungen auf und ortet feindliche Stäbe, Radaranlagen und Raketenstellungen. Die Daten treffen bereits Sekunden später in Deutschland ein, wo sie Experten für Elektronische Kampfführung analysieren, aufbereiten und der Führung für den jeweiligen Einsatz übermitteln.

Der „Eurohawk“ ist ein „richtiges“ Flugzeug, das mit knapp 40 Meter Spannweite längere Tragflächen als ein Airbus A-320 hat. Oberstleutnant Stephan Mehl, gerade in den USA zum „Mission-Pilot“ ausgebildet, ist der erste von elf deutschen Flugzeugführern, der seine Aufgabe vom Boden aus erledigt. Stationiert werden die insgesamt fünf „Eurohawk“ in Jagel in Schleswig; die Kontrollstation kommt nach Nienburg an der Weser. Bei einer Wehrtechnik-Tagung in Bonn wurden auch Daten genannt: Der 15 Tonnen schwere Aufklärer hat eine Reichweite von 25.000 Kilometern, fliegt 600 km/h schnell in einer Höhe von 18,3 Kilometern oberhalb der Luftverkehrswege und kann 30 Stunden ununterbrochen in der Luft bleiben.

Der „europäische Habicht“ ist nicht das erste unbemannte Flugzeug der deutschen Luftwaffe: Bereits ab 1998 hatte die Bundeswehr im Kosovo Aufklärungsdrohnen vom Typ CL 289 verwendet, deren Kurs allerdings vorher programmiert werden musste; seit 2000 ist die Drohne „Luna“ in Afghanistan im operationellen Einsatz. Und rund 5.000 Flugstunden haben drei „Heron 1“ („Reiher“) in Afghanistan absolviert.

Deutsche Soldaten wollen nicht mehr auf die "fliegenden Augen" verzichten
Die deutschen Soldaten wollten inzwischen auf die „fliegenden Augen“ nicht mehr verzichten, berichtete Jürgen Michel von Rheinmetall Defence bei der Vorstellung des deutsch-israelischen Projekts in Bonn. Vor allem die Langzeitbeobachtung durch Tag- und Nachtkameras sei wichtig, ergänzte der Koblenzer Dirk Farsch, der die „Heron“ vom Boden aus steuert: „Damit können wir präzise feststellen, ob jemand ein Loch gräbt, um sein Feld zu bewässern oder um eine Sprengladung zu platzieren.“

„Es fehlen typische Eindrücke wie Fluglage oder Vibration“, erläuterte Farsch. „Aber dafür kann ich zum Beispiel mit der Infrarot-Kamera durch die Wolken schauen oder mal eben einen Techniker rufen, wenn es größere Probleme gibt.“ Farsch ist ausgebildeter Berufspilot und fliegt normalerweise Learjet-Ambulanzflugzeuge. Er teilt sich die Aufgabe in Afghanistan mit drei weiteren Rheinmetall-Mitarbeitern. Die früheren Phantom-Piloten der Luftwaffe seien zunächst frustriert gewesen über ihren glanzlosen Computer-Arbeitsplatz in einem Container. Doch das habe sich schnell geändert, nachdem sie mehrfach die Soldaten am Boden vor angreifenden Taliban oder versteckten Sprengfallen warnen konnten. „Wir hören oft: Vielen Dank, dass ihr da wart. Das ist schon ein enormer Zuwachs an Sicherheit“, sagt Farsch. „Die Heron kann 27 Stunden in der Luft bleiben und ist in einer Höhe von 9000 Metern vom Boden aus weder zu sehen noch zu hören.“

„Aladin“ ist so groß wie ein Modellflugzeug
Das Heer setzt auf kleine Drohnen: „Aladin“ heißt ein nur modellflugzeuggroßes Gerät, das ein Soldat wie ein Papierflugzeug in die Luft wirft – aus rund 100 Meter Höhe überträgt „Aladin“ dann mit vier Farbvideo-Kameras alle verdächtigen Bewegungen am Boden an die tragbare Laptop-Kontrollstation. Eine Patrouille kann so zum Beispiel vor einem Hinterhalt rechtzeitig gewarnt werden. Und von unten ist der hellgraue Mini-Flieger mit leise schnurrendem Elektromotor nicht zu entdecken.

Die Bundeswehr-Aufklärungsdrohne „Aladin“ (abbildende luftgestützte Aufklärungsdrohne im Nächstbereich) bei einer Präsentation in Bad Godesberg

Tagungen der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik in der Stadthalle von Bad Godesberg führen die Experten für die neuen Systeme regelmäßig zusammen: Dienststellen der Bundeswehr, Wissenschaftler und Firmen geben einen Überblick über technisch Machbares und Geplantes. Alljährlich stellt auch das deutsche Heer mit Wissenschaftlern, Erfindern und Unternehmern bei der Leistungsschau „Elrob“ (European Land-Robot-Trial) an der Infanterieschule im unterfränkischen Hammelburg die neuesten Entwicklungen vor.

Was die „Aladin“-Kamera aufnimmt, ist auf dem Bildschirm des Bodenbedieners zu sehen

„Elrob“ lässt ahnen, wie die Zukunft militärischer Einsätze aussieht: Der Soldat kann mit leise fliegenden Miniaturdrohnen unauffällig um die nächste Ecke schauen, bevor er sich selbst einer Gefahr aussetzt. Bei einer Vorführung näherte sich ein hubschrauberähnlicher „Air-Robot“ von hinten bis auf wenige Meter den Zuschauern – niemand bemerkte etwas davon.

Die Marine habe ebenfalls dringenden Bedarf an Aufklärungs-Drohnen, sagte ein Rüstungsfachmann. „Bei der laufenden Anti-Piraten-Mission Atalanta würde eine fliegende Kamera über dem verdächtigen Schiff die Gefährdung für unsere Soldaten deutlich herabsetzen. Denn wenn sie zum Beispiel an der Backbordseite zur Kontrolle an Deck klettern, könnte eine Drohne die bewaffneten Piraten entdecken, die sich an Steuerbord gerade hinter den Aufbauten verstecken.“ Beim Urlaub an der Ostsee kann man als Tourist manchmal den „Schiebel-Camcopter“ die Küste entlang fliegen sehen. Die Helikopter-Drohne sammelt – zunächst im Test – Aufklärungsergebnisse für die neuen Korvetten.

Empörung bei Linken und Kirche
Die Luftwaffe plant, unbemannte Flugzeuge künftig mit Raketen und Bomben zu bewaffnen. Auch die Bundesregierung hält dies zum Schutz der Soldaten im Einsatz für zweckmäßig. Das geht aus einer Antwort der Regierung auf eine kleine Anfrage der Linkspartei im Bundestag hervor, deren Veröffentlichung zu Jahresbeginn 2013 für Aufregung sorgte. Die Bundesregierung habe den Kauf der „Predator“-Kampfversion noch nicht endgültig beschlossen, betonte das Verteidigungsministerium. Eine Entscheidung sei im ersten Halbjahr zu erwarten. Die Opposition läuft gegen den Drohnen-Kauf Sturm: Vor der „Entgrenzung militärischer Gewalt“ warnte Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin: „Die Pläne der Bundesregierung zeugen von einem blinden, verantwortungslosen Umgang mit militärtechnologischem Fortschritt.“ Zu klären sei, ob Kampfdrohnen die Einsatzschwelle senkten, weil eigene Soldaten nicht mehr gefährdet seien, sagte der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold und verwies auf die umstrittene Terroristenjagd der USA mit Drohnen. Auch Kirchenvertreter äußerten sich besorgt.

Doch Roboter, die in fremde Staaten fliegen, Verdächtige eliminieren und dabei auch Unbeteiligte nicht verschonen – diese Sorge vor einem Einsatz bewaffneter Drohnen bei der Bundeswehr ist überzogen. Der wachsende Widerstand in linken und kirchlichen Kreisen resultiert möglicherweise aus einem Missverständnis: An den strategischen Einsatz von Kampfmaschinen, die in Tausenden Kilometer Entfernung Terroristenführer jagen, wie es die USA in Pakistan oder im Jemen praktizieren, ist bei den deutschen Drohnen nicht gedacht. Es geht um den direkten Schutz der eigenen Soldaten, die, zum Beispiel in Afghanistan, in einen Hinterhalt geraten sind oder denen gerade ein Angriff droht. Natürlich darf die Bewaffnung der Bundeswehr kein Tabu-Thema sein, das Experten vorbehalten ist. Doch gilt: Diejenigen, die im Auftrag Deutschlands ihr Leben riskieren, haben Anspruch auf größtmöglichen Schutz. Es wäre fahrlässig, dafür moderne Technik nicht zu nutzen. Eine Debatte, die eher auf die Sicherheitspolitik der Bundesregierung zu zielen scheint, würde auf dem Rücken der Soldaten ausgetragen. Zudem gilt: Ob bei einer Panzerhaubitze, einem Jagdbomber oder einer Drohne – den Feuerbefehl gibt immer ein Mensch, kein seelenloser Automat.

Neue Systeme ähneln Computerspielen
Viele der vorgeführten Systeme in Bad Godesberg ähnelten modernen Computerspielen. „Der Drohnensteuerer – Videospieler oder Luftfahrer?“ lautete folgerichtig der provokante Titel des Vortrags von Klaus Wohlers (Rheinmetall Defence Electronics). Der Leitstand einer Drohne ähnele nun einmal mehr der Zentrale eines U-Boots als dem Cockpit eines Flugzeugs. „Wir haben mehrfach festgestellt, dass sich Menschen in einer Rechner-Umgebung dazu verleiten lassen, mit dem Computer zu spielen.“

Mit der Ausbildung der im Amtsdeutsch „Luftfahrzeug-Fernführer“ genannten Bodenpiloten sei dem Joystick-Spieltrieb erfolgreich entgegengesteuert worden: Sie erhielten eine umfangreiche fliegerische Grundausbildung, flogen selbst einen Motorsegler und mussten wie normale Piloten Navigation, Funkbetriebssprache und Wetterkunde büffeln. Der Einsatz ferngesteuerter Flugzeuge ist noch Neuland: Als das Unternehmen Hilfe bei einer Hochwasserkatastrophe anbot, traute sich niemand, der „fliegenden Kamera“ die Starterlaubnis zu geben. Ungeklärt ist zum Beispiel die Frage, wer bei einem Unfall mit einem pilotenlosen Gerät juristisch zur Haftung gezwungen werden kann.

Drohne ermittelte Schäden in Fukushima
Doch auch im zivilen Bereich werden zunehmend Drohnen eingesetzt, die Gründe sind denen bei Militäreinsätzen sehr ähnlich: Ein Mensch musste nicht gefährdet werden, als im März 2011 „Global Hawks“ der US-Luftwaffe nach der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe in Japan am havarierten Kernkraftwerk Fukushima die Schäden ermittelte. Der deutsche Zivilschutz experimentiert mit Drohnen, die zum Beispiel Gasaustritt messen oder in Gebäude schauen können, die einsturzgefährdet sind. Die Bundesländer Niedersachsen und Sachsen nutzen Drohnen der Typen MD4-200 und MD4-1000 testweise für die polizeiliche Aufklärung. Ein sogenannter Oktokopter, der vor dem Mähen die Felder überfliegt, soll in drei Jahren einsatzbereit sein und Rehkitze vor der Verstümmelung oder dem Tod retten: Jährlich sterben in Deutschland bei der Ernte bislang fast 100.000 dieser Jungtiere.

Weitere Nutzungsmöglichkeiten im zivilen Sektor reichen von der Überwachung von Pipelines bis zur Verfolgung von Fischschwärmen. Bereits seit Jahrzehnten ist es möglich, auch große Verkehrsflugzeuge automatisch zu starten und sicher zu landen, was allerdings bei den Passagieren keine Akzeptanz findet und deshalb von den Fluggesellschaften nicht weiter verfolgt wird: Ein pilotenloses Cockpit weckt noch zu große Ängste. Doch unbemannte Luftfahrzeuge seien schon heute ein Milliarden-Geschäft, berichtete Dr. Kay Pixius vom Bundesverteidigungsministerium. „Der weltweite Umsatz wird sich bis 2014 auf rund fünf Milliarden Dollar im Jahr einpendeln.“

Zum Autor: Helmut Michelis ist Redakteur für Sicherheitspolitik der Tageszeitung „Rheinische Post“

21.02.2013

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