Sicherheit bei Großveranstaltungen, Bevölkerungsschutz, Innere Sicherheit

Sicherheitskonzepte und Krisenmanagement im Vorfeld von Großveranstaltungen

Von: Hans-Walter Borries

Im Zuge des Champions League Finale am 25. Mai 2013 kamen Schlagzeilen auf, wonach „Städte aus Angst vor Gewalt auf Public Viewing auf die Durchführung von Großveranstaltungen verzichten“. Sprecher einzelner Städte und Organisatoren (z. B. vom Stadtmarketing) berichteten in Zeitungsberichten von teilweisen Sicherheitsproblemen und über die Furcht vor Auswirkungen von rivalisierenden Fangruppen.

Oftmals kamen die Vertreter von Polizeibehörden, Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, Malteser Hilfsdienst und anderen Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben sowie die Fachleute von Ordnungsämtern zusammen mit Security-Unternehmen zu dem Schluss, dass die Gefahrenrisiken im Vorfeld der Veranstaltung und am Tag der Durchführung zu groß und damit nicht zu kalkulieren seien. Ein neuer Trend oder sind es die Auswirkungen des Anschlages auf den Boston Marathon oder hat man aus den Umgang mit Unwetterlagen Konsequenzen für die Planungen gezogen?

Sorgfältig planen
Sportliche wie kulturelle und sonstige Großereignisse bedürfen bekanntlich einer nachhaltigen Vorbereitung. Dazu zählt vor allem die Abklärung sämtlicher Sicherheitsrisiken. Im Rahmen einer Präventionsanalyse der Gefahrenpotenziale sind Antworten zu geben auf Art und Umfang der Leistungen im Rahmen der Prävention, der Durchführung und der Nachbereitung. Unter anderem sind die Zuständigkeiten der Handelnden zu klären wie auch Formen und Wege der Zusammenarbeit aller beteiligten Organisationen und Firmen, bis hin zur exakten Kostenabschätzung (personeller und materieller Aufwand; wer trägt letztendlich die Kosten?).

Auch wenn es trotz aller nur denkbaren Präventivmaßnahmen zum möglichen Großschadensereignis keine 100-prozentige Sicherheit geben kann und wird, Unglücke aufgrund menschlichen und technischen Versagens immer wieder auftreten werden und Naturkatastrophen sich nicht aufhalten lassen, steht und fällt die Durchführung einer Veranstaltung mit der Qualität und Güte des ausgeplanten Sicherheitskonzeptes. Aufgrund der Erfahrungen der letzten Jahre (Weltjungendtag und Papstbesuch, Männer-Fußballweltmeisterschaft 2006, Frauen-Fußballweltmeisterschaft 2011 und der Besuch von hohen staatlichen Würdenträgern) müssen solche Konzepte verstärkt auch kriminelle Aktionen oder gar terroristische Anschläge mit entsprechenden schweren Folgen einkalkulieren und Handlungsoptionen aufzeigen.

Vorausschauend handeln

Alle für den komplexen Bereich der inneren Sicherheit Verantwortlichen wie Behörden von der kommunalen bis zur Bundesebene, Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste und nötigenfalls im Zuge der Amtshilfe auch die Streitkräfte haben ihre Aufgaben, und denen müssen sie gerecht werden. Sicherheitskräfte müssen umso mehr über eine schnelle Verfügbarkeit von qualifizierten Personal verfügen und entscheiden, sowie, je nach Art und Ausmaß der Katastrophe, über entsprechend geeignetes Material zur Bewältigung des dann eingetretenen Großschadensereignisses verfügen. Bei Großveranstaltungen sollte auch eine Regelung für das „eigentlich Undenkbare“ gefunden werden und Teile eines wirkungsvollen Krisenmanagements werden.

Auch in Zukunft sollten Großveranstaltungen, wie die oben genannten Public Viewings von Fußballfesten und sonstigen Großereignissen eingehend geprüft und für „durchführungswürdig“ befunden werden. Modernes und effizientes Krisenmanagement baut auf die permanente Verbesserung der vorhandenen Strukturen zur Krisenbewältigung auf der Basis des Zusammenwirkens von berufsmäßigen und ehrenamtlichen Einsatzkräften sowie den Mitgliedern von Krisenstäben. Diese Aufgabe und das jährliche (Vor-)Üben solcher Ereignisse bleibt eine Dauerarbeit und ohne Alternative, wenn wir dem Schutz der Menschen in Deutschland und der größtmöglichen Garantie ihrer Sicherheit Priorität einräumen wollen. Die Verantwortung derer, die im Öffentlichen Dienst Sorge für das Gemeinwohl tragen, lässt sich nicht ausblenden oder durch Verzicht auf die Durchführung von Veranstaltungen absetzen. Man muss sich dieser Aufgabe stellen und den Bürgern trotz steigender Kosten ein „Mehr an Sicherheit“ und ein „Mehr an Lebensqualität und Freude“ bieten.

14.06.2013

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