Sicherheitsmanagement, Sicherheitsdienstleistungen

Mehr als nur Schutz für Leib und Leben

Personenschützer halten sich stets im Hintergrund. Doch mit was für Qualifikationen müssen sie aufwarten, was sind genau ihre Aufgabengebiete und woran erkennt man seriöse Unternehmen in der Personenschutzbranche? Der Security Explorer sprach mit Stefan Bisanz, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Personenschutz und Geschäftsführer der consulting plus Sicherheit GmbH in Berlin.

Security Explorer: Herr Bisanz, Gibt es einen Unterschied zwischen einem Bodyguard (Leibwächter) und einem Personenschützer?

Stefan Bisanz:Den wesentlichsten Unterschied kann man schon aus der Bezeichnung herleiten. Der Bodyguard hat tatsächlich als Hauptaufgabe, den Leib zu bewachen – oft bei Stars und Sternchen zu sehen. Die Bezeichnung Bodyguard ist im westeuropäischen Raum negativ belegt, unter anderem, weil Medien Fotos von breitschultrigen, muskelbepackten und immer grimmig dreinblickenden Männern, in dunklen Anzügen und mit schwarzer Sonnenbrille veröffentlichen. Personenschutz ist für den 360-Grad-Rund-um-Schutz gedacht und wird so eingesetzt. Die Aus- und Weiterbildung von Personenschützern ist umfänglicher und weitreichender. Zum Aufgabenfeld gehört ebenso eine Voraufklärung der Fahrtrouten sowie die Erstellung eines Anonymitätskonzeptes, um Informationen zur Schutzperson nicht bekannt werden zu lassen.

Welche fachlichen und persönlichen Qualitäten muss ein Bewerber mitbringen, um Personenschützer zu werden?

Es gibt keine Muster-Mixtur an persönlichen Qualitäten oder Eigenschaften. Wünschenswert wäre ein hohes Maß an Selbstdisziplin, Verantwortungsbewusstsein, Zuverlässigkeit, Verschwiegenheit, Loyalität, Menschenkenntnis und Belastbarkeit. Gute Umgangsformen und ein gepflegtes Äußeres runden das Bild ab.

Wie wird man Personenschützer? Welche Qualifikation, welchen anerkannten Abschluss müssen Personenschützer vorweisen?

Personenschützer ist eine ungeschützte Berufsbezeichnung und daher kann jeder, der eine Gewerbeerlaubnis in Verbindung mit einer IHK-Unterrichtung dafür hat diesen Beruf ausüben. Die Unterrichtung beinhaltet 80 Unterrichtsstunden die sich nicht mit Personenschutz befassen. Da es keine einheitliche und überprüfbare Personenschutzausbildung gibt, wurde ein Arbeitskreis „Berufsbild Personenschutz“ eingerichtet. Diesem gehören Personenschutzverantwortliche aus dem DAX-30-Kreis, Bundespolizeibehörden, die consulting plus Akademie und ich als einziger öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Personenschutz an. Ziel ist die Einführung einer bundeseinheitlichen geprüften Personenschutzfachkraft.

Bildet Ihr Unternehmen selbst aus und wie sehen die Ausbildungsinhalte aus?

Die consulting plus Unternehmensgruppe ist der einzige Marktteilnehmer in Deutschland für den Bereich Personenschutz, der eine ständige und hochprofessionelle Weiterbildung durchführt. Hierzu betreiben wir die consulting plus Akademie in Leverkusen. Die Themeninhalte sind natürlich die bekannten Felder, wie Rechtskunde, Notfallmedizin, Fahrsicherheitsausbildung, Waffenloser Kampf und Schusswaffenausbildung. Darüber hinaus vermitteln wir Kenntnisse zum Beispiel in den Bereichen Sprengstoffe, Abhörsicherheit, Kultur, Abwehr von Tieren und vieles mehr. Wichtig ist das Vorhalten und Betreiben einer eigenen Akademie, damit sich die Weiterbildung flexibel auf die Einsatzzeiten der Personenschützer einstellen kann und Ausbildungsvorhaben nicht ausfallen müssen.

Woran erkenne ich ein seriöses Sicherheitsunternehmen, das qualifizierte Personenschützer beschäftigt?

Neben dem seriösen Auftritt im Internet und mit Prospekten und echten, überprüfbaren Einsatzzeiten im Personenschutz – consulting plus hat schon knapp drei Millionen Einsatzstunden geleistet –, ist das Vorhalten eines 24 Stunden lang besetzten Lagezentrums und eine eigene Akademie unbedingt notwendig. Bei consulting plus kommt noch hinzu, dass auch unser Führungspersonal für diesen Bereich erfahrene und ausgebildete Personenschützer sind.

In welchen Bereichen liegt Ihr Hauptaufgabengebiet – Schutz von Politikern, Unternehmern, Prominenten?

Der Schutz von Politikern ist gesetzlich geregelt und unterliegt ausschließlich den polizeilichen Landes- und Bundesbehörden. Unser Hauptaufgabengebiet liegt bei allen anderen Menschen.

Nimmt die Anzahl derer zu, die Ihre Personenschutzdienste in Anspruch nehmen? Wenn ja, worin sehen Sie die Ursachen?

consulting plus hat seit ihrer Gründung 1997 eine jährliche Steigerung der Personenschutzaufträge. Da die Neu-Aufträge fast ausschließlich auf Empfehlung kommen, gehen wir von einem guten Image aus. Die Gefährdungsbereiche unserer Schutzpersonen sind sehr unterschiedlich und passen sich den gesellschaftlichen Gegebenheiten an.

Welche Ausnahmesituation bzw. Eskalation haben Sie persönlich bzw. Ihre Mitarbeiter schon erlebt?

Bei einer so langen und intensiven Auftragsdurchführung haben meine Mitarbeiter und ich schon einige gefährliche oder heikle Situation verhindern müssen. Es geht hierbei nicht nur um den Schutz für Leib und Leben der Schutzperson, sondern insbesondere darum, die Handlungs- und Willensfreiheit der Schutzperson sicherzustellen. Dieses war uns aufgrund unserer guten und einsatznahen Aus- und Weiterbildung und unserer ausgefeilten Einsatztaktiken möglich.

Hat die Öffentlichkeit ein auch nur annähernd realistisches Berufsbild des Personenschützers? Oder anders gefragt: Stehen Ihnen die Haare zu Berge, wenn Sie „Kollegen“ in Krimis usw. sehen?

Das Berufsbild des Personenschützers ist nicht so spektakulär, wie es die Medien gerne darstellen möchten. Schauspielerische Darbietungen in Krimis oder ähnlichem sind drehbuchgesteuert und haben nur äußerst selten etwas mit der Realität zu tun.

Personenschützer müssen physisch und mental sehr belastbar sein. Wie lange üben Personenschützer in der Regel ihren Beruf aus und welche beruflichen Möglichkeiten bieten sich ihnen für die Zeit danach?

Diese Annahme zeugt von einem unrealistischen Berufsbild. Personenschützer können bis ins hohe Alter eingesetzt werden. Zum Beispiel als Aufklärer, der das Vortatverhalten der Täter erkennen und analysieren muss. Hier sind erfahrene Personenschützer gefragt. Bei consulting plus werden Personenschützer die nicht mehr in diesem Bereich arbeiten können oder wollen, im Bereich des Lagezentrums, der consulting plus Akademie, in der Sicherheitsberatung oder als Objekt- oder Einsatzleiter eingesetzt.

 

Stefan Bisanz,
Jahrgang 1961, war 15 Jahre bei der Militärpolizei der Bundeswehr und im Verteidigungsministerium tätig. Seit zwei Jahrzehnten arbeitet er nunmehr in der freien Sicherheitswirtschaft. Durch zahlreiche Fachvorträge, Gutachten und Veröffentlichungen hat er sich einen bundesweiten Ruf als Fachmann im Bereich Personenschutz erworben. Die Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg hat Stefan Bisanz zum ersten öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen für Personenschutz ernannt.

 

18.03.2014

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