Sicherheitsdienstleistungen

Sicherheitsdienstleistungen im Wandel

Von: Uwe Gerstenberg

Die ökonomische Bedeutung der Wach- und Sicherheitsunternehmen hat in den letzten Jahren permanent zugenommen. "Die Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg will sich als Schaufenster für Sicherheitstechnologien profilieren", lautet eine Kernaussage im Editorial zum Masterplan Sicherheitswirtschaft und -forschung Berlin Brandenburg (Dezember 2008). Die ökonomische Bedeutung der Sicherheitswirtschaft wird hier für eine Region klar beschrieben. Man setzt auf den Wirtschaftsfaktor einer Dienstleistungsbranche und auf den weichen Standortfaktor "Sicherheit" als Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Regionen. Mitarbeiter der Sicherheitsbranche begegnen uns im täglichen Stadtbild allerorts, sei es bei der Fluggastkontrolle auf dem Flughafen, bei der Fahrpreisnacherhebung im Öffentlichen Personennahverkehr, als Empfangsmitarbeiter, als Doormen von Ladenlokalen, als Türsteher eines Clubs oder als nächtliche Kontrolleure von Geschäften in der Fußgängerzone. Sicherheit ist ein Grundbedürfnis eines jeden Menschen und bildet einen stark emotionalen Moment der Lebensqualität. Dabei ist das Sicherheitsbedürfnis geprägt von den eigenen Erfahrungen oder von dem, was man uns zuträgt.

Was bedeutet das aber für all diese Menschen, die zur Sicherheit und zum Schutz für uns tätig sind? Wie gestaltet sich deren Zukunft? Befindet sich die Sicherheitsdienstleistung im Wandel?

Eine interne Marktstudie von Securitas besagt: "Der geschätzte Umsatz in den verschiedenen Sicherheitsbereichen beträgt derzeit weltweit rund 90 Milliarden Euro." Weiter heißt es: " 2015 werden diese Märkte bereits 35 Prozent des Weltmarktes ausmachen, der dann bei rund 150 Milliarden Euro Umsatz liegen wird."

Der Sicherheitsmarkt wird sich stark verändern. Die Anforderungen werden steigen und es werden noch mehr Dienstleistungen ausgelagert. Das Thema Sicherheit gewinnt in den Unternehmen immer mehr an Bedeutung - zum einen aufgrund des hohen Investitionsvolumens und zum anderen wegen der zunehmenden Verantwortung des Managements im Rahmen des Organisationsverschuldens. Hinzu kommen globale Anforderungen an die Unternehmen, um in den weltweiten Märkten bestehen zu können. Die Abhängigkeiten werden immer größer und somit der Bedarf an Risikoanalysen mit entsprechenden Risikostrategien. Ein Schadensereignis im globalen Markt kann einen gut etablierten Markennamen stark beschädigen. Aber eine Spezialisierung eigener Abteilungen in den Konzernen ist teuer - der Zukauf im Spezialmarkt der Sicherheitsberater oder –manager garantiert eine höhere Qualität durch branchenspezifisches Know-how und generelles Verständnis von Unternehmensabläufen, gepaart mit Erfahrungen aus anderen Unternehmen und Branchen.

Das Corporate Security Management ist der Schlüssel. Es löst die Probleme global agierender Unternehmen durch ein Risikomanagement, welches die Existenz gefährdenden Risiken eines Unternehmens erfasst, das Sicherheitsmanagement, welches im Rahmen der Risikostrategie auf Tagesbasis die Sicherheit gewährleistet und ein funktionierendes Krisenmanagement, welches als Sonderorganisationsform das Schadensausmaß reduziert.

Welcher Sicherheitsfachmann ist geeignet, der Geschäftsführung oder dem Vorstand eines Unternehmens als Generalist zur Verfügung zu stehen? Und ist dieser in der Lage, aufgrund seiner Qualifikation und seiner Erfahrung dieser großen Verantwortung gerecht zu werden? Steht die Sicherheitsbranche vor der Akademisierung?

Eine Bewertung der Befragungen aus der 10. WIK-Sicherheits-Enquête lässt den Rückschluss zu, dass hier die Ansprüche zwischen Phantasie und Wirklichkeit auseinander gehen. "Fast 75 % der angestellten Security-Chefs halten ein Studium "Security Manager" für sinnvoll. Andererseits sehen nur 25 % in ihrem Unternehmen einen Arbeitsplatz, der für einen Security-Bachelor oder -Master passen würde. Noch etwas schlechter sind die Arbeitsplatzchancen bei den Sicherheitsdienstleistern." - "Im Unterschied zu vielen anderen Branchen bieten Sicherheitsunternehmen für Arbeitnehmer/innen, die über keine Hochschulausbildung verfügen, (noch) interessante und attraktive Führungspositionen.", so Dr. Harald Olschok, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Wach- und Sicherheitsunternehmen.

Die Sicherheitsbranche hält für engagierte und qualifizierte Mitarbeiter interessante Aufgaben und Positionen bereit. Wenn künftig neue Märkte im Rahmen der neuen Sicherheitsarchitektur entstehen und diese systematisch von der Branche kompetent bearbeitet werden, entstehen neue Anforderungen an die Qualität der Ausbildung von Führungs- und Sicherheitsfachkräften.

Die Branche muss selbstbewusster werden und sich als Wirtschaftskraft und wesentlicher Faktor in der Sicherheitsarchitektur der Bundesrepublik begreifen. Der öffentliche Sektor lagert weiterhin seine Randaktivitäten aus. Dennoch gilt, dass ein gewisser gesellschaftlicher Konsens zur Auslagerung von Sicherheitsdienstleistung bestehen muss. Die Branche muss ihre Mitarbeiter sorgfältig qualifizieren. Die Sicherheitsfachkraft in der Öffentlichkeit muss Kompetenz, Souveränität und gute Umgangsformen vorweisen um eine Akzeptanz im persönlichen und öffentlichen Umfeld zu erreichen. Die Branche muss das Niedriglohnsegment verlassen. Mit dem Mindestlohn ist ein erster kleiner Schritt auf diesem Weg gegangen worden. Wenn die Unternehmen der Sicherheitsbranche jetzt einen angemessenen Aufschlag auf ihre Kalkulation für die Aus- und Weiterbildung beim Kunden durchsetzen können, ist ein wesentlicher Wandel in der Sicherheitsdienstleistung vollzogen.



Uwe Gerstenberg
Geschäftsführender Gesellschafter der consulting plus Sicherheitsberatung & Service GmbH, Berlin

25.07.2011

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